
Caring Communities weiterdenken: Wie Sorge am Lebensende gemeinsam gelingen kann
Caring Communities weiterdenken: Wie Sorge am Lebensende gemeinsam gelingen kann
Beim 120. Aachener Hospizgespräch diskutierten Fachleute aus Politik, Wissenschaft, Praxis, Ehrenamt und Zivilgesellschaft, wie Hospiz- und Palliativversorgung in Zeiten wachsender Bedarfe, knapper Ressourcen und struktureller Veränderungen zukunftsfähig gestaltet werden kann. Im Mittelpunkt stand das Konzept der „Caring Community“ – also die Frage, wie tragfähige Netzwerke vor Ort entstehen können, die Menschen am Lebensende verlässlich unterstützen.
Menschen am Lebensende brauchen mehr als eine gute medizinische und pflegerische Versorgung. Sie sind auf verlässliche Strukturen angewiesen, die auch psychosoziale, seelsorgliche und menschliche Unterstützung einschließen. Genau hier setzt die Idee der Caring Communities an: Kommunen, Ehrenamtliche, professionelle Dienste, Initiativen, Krankenkassen und weitere Akteure bündeln ihre Kräfte, um Sorgebedarfe gemeinsam zu tragen und vorhandene Ressourcen besser zu vernetzen.
Beim 120. Aachener Hospizgespräch unter dem Titel „Caring Community 2.0 – Weiterentwicklung der Hospiz- und Palliativversorgung“ wurde deutlich, dass dieses Thema politisch und fachlich an Bedeutung gewinnt. Caring Communities sind im Koalitionsvertrag der Bundesregierung verankert und werden von zentralen Akteuren im Gesundheits- und Hospizbereich intensiv diskutiert. Gleichzeitig befindet sich die konkrete Umsetzung vielerorts noch in der Entwicklung – insbesondere mit Blick auf tragfähige Finanzierungsmodelle.




Sorge als gemeinsame Aufgabe verstehen
Ein zentraler Gedanke des Kongresses: Sorge am Lebensende darf nicht allein individualisiert werden. Sie braucht klare Rollen, gute Vernetzung und echte Beteiligung der Menschen, um die es geht. Veronika Schönhofer-Nellessen, Leiterin der Servicestelle Hospiz für die StädteRegion Aachen und Geschäftsführerin des Palliatives Netzwerk für die Region Aachen e. V., beschrieb Caring Communities als notwendige Antwort auf reale Herausforderungen in den Kommunen. Gerade am Lebensende zeige sich, wie sehr Menschen auf tragfähige Gemeinschaften angewiesen seien.
Dazu gehört auch, Betroffene nicht nur als Empfänger von Unterstützung zu sehen. Vielmehr sollen sie auf Augenhöhe mitwirken und – wenn möglich – selbst Verantwortung mittragen. Praxisnahe Ansätze wie Quartiersprojekte, lokale Netzwerke oder geschulte ehrenamtliche Sorgelotsen zeigen, wie ein niedrigschwelliger Einstieg gelingen kann.
Netzwerke stärken, Versorgungslücken schließen
Auch aus medizinischer Perspektive wurde deutlich, dass gute Versorgung am Lebensende mehr erfordert als nur professionelle Behandlung. Prof. Dr. Roman Rolke, Direktor der Klinik für Palliativmedizin am Universitätsklinikum Aachen und Ärztlicher Leiter des Kongresses, betonte, dass Menschen verlässliche Netzwerke benötigen, die medizinische, pflegerische, soziale und seelsorgliche Unterstützung koordinieren. Caring Communities könnten helfen, diese Netzwerke durch qualifizierte ehrenamtliche Unterstützung systematisch zu stärken und Versorgungslücken am Lebensende zu schließen.
Neben fachlichen Impulsen bot das 120. Aachener Hospizgespräch viel Raum für Austausch und Vernetzung. Die Teilnehmenden wurden ermutigt, vor Ort eigene Caring-Community-Projekte anzustoßen, runde Tische zu initiieren und den Dialog mit Kommunen und weiteren Partnern zu suchen. Deutlich wurde: Der Weg zu einer mitfühlenden, solidarischen Gesellschaft braucht neue Bündnisse – und den Mut, Verantwortung gemeinsam zu gestalten.