Zur Optimierung dieser Webseite werden Cookies verwendet. Diese Website benutzt Piwik, eine Open-Source-Software zur statistischen Auswertung der Besucherzugriffe. Piwik verwendet sog. Cookies, die eine Analyse der Benutzung der Website durch Sie ermöglichen. Weitere Informationen entnehmen Sie bitte dem Absatz zur Cookies in unserer Datenschutzerklärung. Dort können Sie die Einstellungen zum PIWIK Tracking konfigurieren (Opt out).  Weitere Informationen

 

Ich bin einverstanden

Corporate publications | Resources | Media | Grünenthal Group

Unsere News

12 Oktober 2019 / Unsere Geschichten

Welthospiztag: Lebensqualität bis ans Lebensende

Lebensqualität bis ans Lebensende
Die Palliativmedizin hat in den vergangenen Jahren große Fortschritte gemacht. Im Mittelpunkt steht die Verbesserung der Lebensqualität schwerkranker Menschen. Anlässlich des Welthospiztages am 12. Oktober haben wir mit Professor Roman Rolke, Direktor der Klinik für Palliativmedizin an der Uniklinik Aachen, über aktuelle Erfolge und Herausforderungen gesprochen.

Herr Professor Rolke, die Palliativmedizin ist eine vergleichsweise junge Disziplin: 1967 wurde das erste Hospiz in London gegründet, 1986 entstanden die ersten in Deutschland, unter anderem in Aachen. Ganz generell gesprochen: Wie bewerten Sie den Stand der Palliativmedizin heute?

Was in den 1960er Jahren als Initiative der Gründerin der Palliativ- und Hospizarbeit, Cicely Saunders, in England begann, hat sich schnell in viele Länder innerhalb und außerhalb Europas ausgebreitet und wichtige gesellschaftliche und politische Impulse gesetzt. In Deutschland hat sich die Hospizbewegung als Bürgerbewegung auch gegen gesellschaftliche Widerstände durchgesetzt und die für uns heute selbstverständliche Versorgung in Hospizen und auch die Entwicklung der Palliativmedizin möglich gemacht. Hierzulande praktizieren heute mehr als 10.000 Ärzte mit der Zusatzbezeichnung Palliativmedizin, und rund 15 Prozent unserer Krankenhäuser verfügen über Palliativstationen. Hinzu kommt das sich stetig ausweitende Netz der spezialisierten ambulanten Palliativversorgung (SAPV). Nicht alle, aber sehr viel Menschen möchten in Würde zu Hause sterben, und bei uns können sie das auch.

Gerade in punkto Palliativversorgung gibt es weltweit aber große Unterschiede…

Richtig. Während es in Europa, Nordamerika und Australien meist eine sehr gute Palliativversorgung gibt, sieht es in Lateinamerika, Asien oder Afrika teils noch anders aus. Hier fehlen häufig die rechtlichen Rahmenbedingungen und auch die Finanzierungsfrage ist offen. Latein Amerika ist aber die Region, in der sich die Palliativmedizin derzeit am schnellsten entwickelt. Und auch zum Beispiel in Uganda hat sich die Situation für Patienten schon deutlich verbessert. In vielen Ländern Afrikas ist aber der mangelnde Zugang zu Opioiden und Morphinen ein großes Problem. Kollegen sprechen von ‚schlimmer als Folter‘, wenn sie die Tumorschmerzen ihrer Patienten beschreiben, die sie nicht angemessen behandeln können. Weltweit ist der kultursensible Umgang mit den Tabuthemen Tod und Sterben wichtig.

Was sind aus Ihrer Sicht die drängendsten aktuellen Herausforderungen?

Neben dem weiteren Auf- und Ausbau der Versorgung weltweit ist vor allem die psychologische Betreuung von vielen unheilbar kranken Patienten noch unzureichend – selbst in Ländern, die eine gut entwickelte Palliativversorgung haben. Bei Krebsdiagnosen steht in der Regel sofort ein Psychoonkologe bereit – bei Herzkreislauf- oder neurologischen Erkrankungen sieht das leider oft noch anders aus. Wir müssen dafür sorgen, dass es auch hier eine stärkere Vernetzung mit Psychologen gibt, so dass alle Schwerkranken besseren Zugang zu psychologischer Betreuung haben.

Viele Menschen machen einen großen Bogen um das Thema Palliativmedizin. Warum sollten sie sich dennoch damit beschäftigen?

Weil es ein Thema mit steigender Bedeutung und einem wachsenden Bedarf ist. Menschen werden immer älter. Zwar werden immer mehr von uns gesund alt, dennoch sind die Geriatrie und die Palliativmedizin die am stärksten wachsenden Disziplinen in der Medizin. Es ist übrigens ein weitverbreitetes Missverständnis, dass die Palliativmedizin eine Sterbebegleitung ist. Unser Ziel ist vielmehr die Lebensqualität unheilbar kranker Menschen zu verbessern und zwar ab der Diagnosestellung. Wir betreuen Menschen also teilweise jahrelang. Ich stelle ich mich also nicht vor mit den Worten „Guten Tag, ich bin Ihr Arzt fürs Sterben“, sondern vielmehr mit: „Hallo, ich bin Ihr Arzt für die Lebensqualität“. Das hilft sehr, um das Thema zu enttabuisieren.

Was ist Palliativmedizin?

Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist Palliativmedizin ein Ansatz, der die Lebensqualität von Patienten und ihren Familien verbessert, die mit lebensbedrohlichen Krankheiten konfrontiert sind – durch die Prävention und Linderung von Leiden durch frühzeitige Erkennung und einwandfreie Beurteilung und Behandlung von Schmerzen und anderen körperlichen, psychosozialen und seelischen Problemen1.Ursprünglich für Tumorpatienten entwickelt, integriert das an einem ganzheitlichen Ansatz orientierte Therapiekonzept nicht nur die medizinischen Aspekte, sondern berücksichtigt auch die seelischen und psychosozialen Leiden. Palliativmediziner arbeiten in multidisziplinären Teams, zu dem neben Pflegepersonal und Ärzten auch Sozialarbeiter, Psychologen, Seelsorger, Psychotherapeuten und Krankengymnasten gehören können2.

Das Engagement der Grünenthal Stiftung für Palliativmedizin

Die Grünenthal Stiftung für Palliativmedizin wurde 1998 gegründet und widmet sich den Bedürfnissen von Menschen mit unheilbaren Krankheiten und eingeschränkter Lebenserwartung mit dem Ziel, die Lebensqualität und die Würde der Betroffenen im Endstadium ihres Lebens zu erhalten. Das Stiftungskapital ermöglichte den Aufbau der Abteilung für Palliativmedizin am Universitätsklinikum in Aachen. Mithilfe der Stiftung und gestützt durch eine Spende des Stiftungsvorsitzenden Michael Wirtz wurde im Jahr 2003 der erste Universitätslehrstuhl für Palliativmedizin in Deutschland an der RWTH Aachen eingerichtet. Die Grünenthal Stiftung für Palliativmedizin unterstützt außerdem Initiativen und Tagungen. Ähnliche Stiftungen wurden inzwischen auch in Spanien, Portugal und Ecuador gegründet.3

“Unser Ziel ist vielmehr die Lebensqualität unheilbar kranker Menschen zu verbessern und zwar ab der Diagnosestellung. ”

Professor Roman Rolke,

Direktor der Klinik für Palliativmedizin an der Uniklinik Aachen

1

https://www.who.int/cancer/palliative/definition/en/

2

https://www.dhpv.de/themen_hospiz-palliativ_palliativmedizin.html

3

https://www.dhpv.de/themen_hospiz-palliativ_palliativmedizin.html

Share this Story:
 
Sie verlassen nun die Grünenthal (DE) Webseite. Sie werden zu einer externen Webseite weitergeleitet. Für diese fremden Inhalte können wir keine Gewähr übernehmen. ... Abbrechen ... Ok