Chronischer Schmerz

Eine eigenständige Krankheit

Allgemein gilt Schmerz als chronisch, wenn er anhält, nachdem das geschädigte Gewebe geheilt ist und der Schmerz keine biologische Funktion mehr hat. Anders als beim akuten Schmerz, hat chronischer Schmerz keinerlei Warn- und Schutzfunktion mehr und wird somit selbst zur Krankheit. Chronischer Schmerz ist eine weitverbreitete Krankheit. In Europa ist davon bereits einer von fünf Erwachsenen betroffen (19%) und die Krankheit breitet sich weiter aus. Ein Drittel der europäischen Patienten mit chronischem Schmerz leidet unter starken Schmerzen und knapp die Hälfte klagt über ständige Schmerzen1.

Chronischer Schmerz mindert die Lebensqualität erheblich

Als Patient mit chronischen Schmerzen wissen Sie besser als jeder andere, dass die Lebensqualität ganz erheblich leidet, wenn chronischer Schmerz nicht angemessen behandelt wird. Zu den Auswirkungen zählen neben den ständigen Schmerzen auch Schlafstörungen, eingeschränkte Mobilität oder Depressionen. Durch den Schmerz ist man also nicht nur körperlich, sondern auch sozial und psychisch stark eingeschränkt:

  • Zwei Drittel der Schmerzpatienten leiden unter Schlafstörungen oder Schlaflosigkeit
  • Etwa 60% der chronischen Schmerzpatienten können nur eingeschränkt oder gar nicht einer Erwerbstätigkeit nachgehen
  • Bei jedem fünften chronischen Schmerzpatienten wird infolge der Schmerzen eine Depression diagnostiziert 
  • Bis zu 50% der Patienten mit chronischen Schmerzen geben ein Nachlassen der Fähigkeit an, familiäre und intime Beziehungen zu unterhalten

Chronische Schmerzen erfordern eine besondere Behandlung

Chronische Schmerzen können eine nicht zu unterschätzende Belastung für Sie als Patient, sowie Ihr soziales Umfeld sein und stellen eine besondere therapeutische Herausforderung für den Arzt dar. Wird ein chronischer Schmerz nicht frühzeitig und angemessen behandelt, leidet der Patient länger und ist oft erheblichen zusätzlichen Komplikationen ausgesetzt2. Patienten mit chronischen Schmerzen neigen zur Inaktivität, wodurch soziale Isolation und eine reaktive Depression entstehen können. Heute besteht Übereinstimmung darüber, dass nur ein multimodaler Therapieansatz erfolgreich sein kann – Schmerztherapie erfordert ein interdisziplinäres Vorgehen, das verschiedene Therapieformen einschließt:

  • Behandlung
  • physikalische Therapie
  • physikalische Therapie
  • Psychotherapie
  • Maßnahmen zur Überwindung von Schmerzen und Fehlfunktionen

Abgekommen ist man heute auch von der alleinigen Definition des chronischen Schmerzes durch die Schmerzdauer. Das bio-psychosoziale Schmerzmodell besagt, dass weitere Faktoren zur Entwicklung von chronischen Schmerzen beitragen. Der Grad der Chronifizierung kann mit Hilfe speziell entwickelter Instrumente zur Anamnesedokumentation bestimmt werden, z.B. mit dem Mainz Pain Staging System3. Obgleich chronische Schmerzen zu den häufigsten und kostenintensivsten Krankheiten gehören, werden sie häufig nicht angemessen behandelt. Aus diesem Versäumnis ergeben sich schwerwiegende Folgen und Beeinträchtigungen für die geistige und körperliche Gesundheit des Patienten und seiner Familie.

Chronische Schmerzen sind eine eigenständige Krankheit, nicht nur ein Hinweis auf eine Grunderkrankung oder eine Verletzung, vielmehr ein Zustand, der dem Individuum und der Gesellschaft einen hohen Tribut abverlangt."
Weltgesundheitsorganisation (WHO)

1 Breivik H et al.: Survey of chronic pain in Europe: Prevalence, impact on daily life, and treatment. European Journal of Pain, 2006; 10:287-333

 2 Shipton EA, Tait B. Flagging the pain. European Journal of Anaesthesiology 2005;22:405–12.

3 Ljutow A, Nagel B. [How can I assess the back pain status in my patients? The Mainz chronic disease staging method and its prognostic value], Wie schätze ich die Rückenschmerzsituation meines Patienten ein? Die Mainzer Chronifizierungsstadien und ihre prognostische Bedeutung. Z Orthop Ihre Grenzgeb. 2005;143:311–5. Ger.