Pathophysiologie und Schmerzzustände

Überempfindlichkeit als Erkennungsmerkmal

Chronische Schmerzen sind ein komplexes Geschehen und entstehen durch anhaltende Sensibilitätsstörungen. Diese werden durch einen andauernden peripheren Prozess, beispielsweise eine chronische Entzündung verursacht: Sie können aber auch unabhängig von dem ursächlichen Schmerzauslöser auftreten. Ein allgemeines Erkennungsmerkmal ist eine Überempfindlichkeit, die zwei Ursachen haben kann: Entweder die übermäßige Reaktion auf eine vorausgehende Verletzung. Infolgedessen entstehen übermäßige und lang anhaltende Schmerzen. Oder eine reduzierte Reizschwelle und demzufolge Schmerzen als Reaktion auf normalerweise nicht-schädigende Stimuli. In beiden Fällen sind die an der Schmerzentstehung beteiligten Mechanismen so verändert, dass sich chronische Schmerzen entwickeln1. Je länger Schmerzen andauern, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit einer vollständigen Normalisierung der gereizten Nervenzellen. Dabei kann es zur Entwicklung eines „Schmerzgedächtnisses” kommen, so dass der Schmerz anhält, auch wenn der ursprüngliche Auslöser nicht mehr besteht.

1 Woolf CJ: Somatic Pain – Pathogenesis and Prevention. British Journal of Anaesthesia, 1995; 75:169-76